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Freitag 09:05 Uhr Bayern 2

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Beton Fasern, Poren, Bakterien Sand Überall vorhanden und doch knapp Das Kalenderblatt 07.05.1824 Beethoven dirigiert die Uraufführung seiner 9. Symphonie Von Markus Vanhoefer Beton - Fasern, Poren, Bakterien Autor: Bernd-Uwe Gutknecht / Regie: Eva Demmelhuber Die Einen sehen in Beton ein Synonym für graue Eintönigkeit, Naturzerstörung, eine Bausünde. Für die Anderen ist Beton schmückendes, modernes Design-Material. Kaum ein anderer Baustoff polarisiert so sehr wie dieser "Kunststein". Beton wird aus Zement, Gesteinskörnern sowie Wasser gemischt. Je nach Zusammensetzung spricht man von Sandbeton, Kiesbeton oder Splitbeton. Bei der Verarbeitung wird zwischen Rüttel-, Stampf-, Spritz - oder Fließbeton unterschieden. Die Verwendung von Beton bei Bauwerken reicht bis in die frühe Antike zurück. In Karthago und im Römischen Reich wurden Brücken oder Aquädukte mithilfe von Zement-Mischungen errichtet. Die Römer gelten als Erfinder des "Opus caementitium". So robust Beton ist, auch dieses Baumaterial unterliegt einer Korrosion etwa durch Kalk oder Frost. Risse im Beton verursachen hohe Reparatur-Schäden. Wissenschaftler haben nun eine Art selbstheilenden Beton entwickelt. Kalkproduzierende Bakterien sollen auf eindringendes Wasser reagieren und die entstehenden Risse selbständig kitten. Das Ziel: Beton soll quasi ewig halten. Für die Einen ist das ein wunderbares Versprechen, für die Anderen ein unwiderrufbarer Frevel. Sand - überall vorhanden und doch knapp Autor: Hellmuth Nordwig / Regie: Axel Wostry Sand gibt es doch wie Sand am Meer, denken wir. Aber das stimmt nicht mehr. Denn der Bedarf an Sand steigt rapide an. Vor allem die Bauindustrie braucht große Mengen davon, denn Sand ist ein wichtiger Bestandteil von Beton. Leider kann man dafür keinen Wüstensand verwenden. Dessen Körnchen sind durch den Wind rund geschliffen worden. Zum Bauen braucht man aber spitze Kristalle, die im Beton Druckkräfte aufnehmen können. Solche Kristalle entstehen, wenn Gesteine durch Wasser fein gemahlen und über weite Strecken transportiert werden. Bausand wird also in Flussbetten abgebaut, in Kiesgruben, an Stränden und am Meeresboden. Doch diese Ressource geht zur Neige. Der Hunger nach Sand ist so groß, dass ihm bereits ganze Strände zum Opfer gefallen sind. Häufig wird Sand illegal abgebaut und gehandelt. Erst langsam dringt der Raubbau an dieser alltäglichen Ressource ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und auch der Forschung. Diese bemüht sich darum, Recyclingverfahren und alternative Baustoffe zu entwickeln. Erstsendung: BR 2016 Moderation: Yvonne Maier Redaktion: Bernhard Kastner

Freitag 19:05 Uhr BR-Klassik

Das Musik-Feature

Kindskopf mit Tiefgang Der Dichter Christian Morgenstern und die Musik Von Ulrike Zöller Wiederholung am Samstag, 14.05 Uhr Zum 150. Geburtstag von Christian Morgenstern Ein Instrument spielt nicht selbst, aber es lässt sich bespielen. Christian Morgenstern war kein Musiker, aber er lässt sich wunderbar "verklanglichen". Wenige deutsche Dichter haben Komponisten und Liedermacher, Kinder und Kabarettisten so sehr angeregt, Gedichte in Musik umzusetzen, wie der am 6. Mai 1871 in München geborene Autor, Aphoristiker, Übersetzer und Anhänger von Rudolf Steiners Anthroposophie. Der so viele "Lieder" geschrieben hat, ohne sie selber zu singen, dessen Gedichte als albern verkannt wurden, auch wenn neben dem Kindskopf ein tiefgründiger Geist wohnte, auf einer verletzten Seele und einem kranken Körper. Was fasziniert Musiker an Christian Morgenstern? Welche Rolle spielte Musik in seinem Leben? Ulrike Zöller macht sich auf die Suche nach Dur und Moll bei Christian Morgenstern.

Freitag 20:05 Uhr Deutschlandfunk

Das Feature

Der Schund der frühen Jahre Über den Auflagenkönig Heinz G. Konsalik Von Rolf Cantzen und Michael Reitz Regie: Matthias Kapohl Produktion: Deutschlandfunk 2021 Über 150 Romane, in einer Gesamtauflage von über 83 Millionen, in mehr als 45 Sprachen übersetzt. Der Literaturkritik galt er als Trivialautor, in Zeiten des Kalten Krieges bediente Konsalik die gängigen rassistischen und sexistischen Klischees. Weil das Publikum es verlangte oder aus eigener Überzeugung? Konsalik (1921-1999) begann seine Karriere als Autor von Komödien, Liebesgeschichten und Krimis. Erfolgreich wurde er mit "Der Arzt von Stalingrad", einem, wie Konsalik reklamierte, "Tatsachenroman". Seine Helden hier und in zahlreichen anderen Kriegsromanen: warmherzige Stabsärzte, unschuldig-hilfsbereite Landser. Die Gegenspieler: schlitzäugige Russen, leidenschaftlich und brutal. Der Vorwurf, seine Romane seien faschistoid und frauenfeindlich, bewirkten tatsächlich einen Themenwechsel: Für seine späteren Arzt- und Liebesromane wählte Konsalik exotische Kulissen. Die Klischees indes blieben. Es ist keine einfache Aufgabe, einem Menschen auf die Spur zu kommen, der sich selbst bis in die Anfänge seiner Biografie erfand - als ehemaligen Kriegsberichterstatter, Verwundeten und Gestapo-Mitarbeiter. Er machte sich selbst älter, um von einer Jugend im Krieg zu erzählen. Die Germanistik ignorierte Konsalik größtenteils. Im Gespräch mit Weggefährten und den wenigen Literaturwissenschaftlern, die sich ernsthaft mit dem Phänomen Konsalik auseinandersetzten, versucht die Sendung nicht nur, sich dem Menschen Konsalik zu nähern. Möglicherweise spiegelt sich in seinem Werk auch ein Stück Mentalitätsgeschichte der frühen BRD. Der Schund der frühen Jahre

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